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Die Geschichte des Kaffees und der Cafés in Brünn: Von den türkischen Wurzeln bis zur dritten Welle KI
Herkunft und Ethik

Die Geschichte des Kaffees und der Cafés in Brünn: Von den türkischen Wurzeln bis zur dritten Welle

· Veröffentlicht 27. 3. 2017 · Aktualisiert 27. 8. 2026
Zusammenfassung

Brünn blickt auf eine lange Kaffeetradition zurück, die nach den verfügbaren Quellen vermutlich bis zur Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zurückreicht, als sich der Kaffee nach Wiener Vorbild in den Städten der Habsburgermonarchie verbreitete. Das Caféleben entwickelte sich hier vor allem im 19. Jahrhundert, und heute wird Brünn mit einer lebendigen Kaffeekultur, der sogenannten „dritten Welle“ (Specialty Coffee) sowie einer Gemeinschaft von Liebhabern erlesener Kaffeesorten in Verbindung gebracht.

Kaffee wird in Brünn vermutlich bereits seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert getrunken. Einer traditionellen (und heute von Historikern angezweifelten) Überlieferung zufolge entstand das erste Wiener Café kurz nach der erfolglosen osmanischen Belagerung Wiens im Jahr 1683; die belegten Quellen datieren die Eröffnung des ersten Wiener Kaffeehauses durch den armenischen Kaufmann Johannes Diodat jedoch erst auf das Jahr 1685. Unabhängig vom genauen Datum begann sich zu dieser Zeit die Kaffeekultur in weitere Städte der Habsburgermonarchie auszubreiten – zu denen auch Brünn gehörte. Die mährische Hauptstadt entwickelte nach und nach eine eigenständige und lebendige Kaffeekultur, die sich durch ihren ungezwungenen Charakter oft vom formelleren Ambiente in Prag und Wien unterscheidet.

Die Anfänge: Die türkischen Wurzeln des mitteleuropäischen Kaffees

Kaffee stammt ursprünglich aus Äthiopien und von der Arabischen Halbinsel. Im Laufe des 16. Jahrhunderts verbreitete er sich im Osmanischen Reich – etwa Mitte der 50er Jahre des 16. Jahrhunderts gelangte er nach Istanbul, wo die ersten Kaffeehäuser entstanden. Im 17. Jahrhundert führten die Haupthandelswege für exotische Waren über türkische Häfen, Venedig und die mitteleuropäischen Märkte.

Der Kaffee gelangte vor allem dank des Handels mit der Levante und der Nähe zu Wien in die tschechischen und mährischen Städte, wo das erste Café in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts urkundlich belegt ist. Es ist wahrscheinlich, dass wohlhabende Brünner Bürger und Kaufleute bereits um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert mit Kaffee in Berührung kamen, auch wenn die erhaltenen schriftlichen Belege aus dieser Zeit lückenhaft sind.

Der osmanische Kaffee und seine Zubereitungsart

Der Kaffee gelangte in mitteleuropäische Gefilde in osmanischer (türkischer) Zubereitungsform – fein gemahlen, in einer als „Cezve“ (Ibrik) bezeichneten Kanne gekocht und in kleinen Tassen serviert. Genau in dieser Form haben ihn vermutlich auch die ersten Kaffeetrinker in Brünn kennengelernt.

Die typische Art und Weise, wie Kaffee in der Türkei serviert wurde, sah wie folgt aus:

Konkrete, archäologisch belegte Funde direkt aus Brünn sind jedoch begrenzt, weshalb die frühe Datierung mit Vorsicht zu betrachten ist. Sicher ist, dass Kaffee für die wohlhabenderen Bürger anfangs ein Luxusgut war.

18. und 19. Jahrhundert: Die Entwicklung der Kaffeekultur

Im Laufe des 18. Jahrhunderts breitete sich die Kaffeekultur in Mitteleuropa auch in Brünn aus. Laut der „Enzyklopädie der Geschichte von Brünn“ (herausgegeben von der Masaryk-Universität und dem Stadtmuseum Brünn) wurde das erste ständige Café der Stadt bereits im Jahr 1702 – Die Konzession für das Café erhielt damals der Türke Achmet vom Stadtrat. Das Caféleben entfaltete sich im 19. Jahrhundert in vollem Umfang, als sich in Brünn ein reges Caféleben entwickelte – das traditionell als weniger snobistisch und offener als in Wien wahrgenommen wurde.

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Cafés zu intellektuelle Zentren, wo sich Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker trafen. Man diskutierte über aktuelle Ereignisse, und die Cafés fungierten als „Volksuniversitäten“.

Das 20. Jahrhundert: Die tschechoslowakische Ära

Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik gehörte Brünn zu den größten Städten des Landes. Die Kaffeekultur entwickelte sich auch in funktionalistischen Cafés weiter; den verfügbaren Quellen zufolge gehörte auch das bekannte Zemans Café – nach den vorliegenden Quellen vom Architekten Bohuslav Fuchs entworfen (Entwurf 1925, Eröffnung 1926) –, das sowohl in der damaligen Gesellschaft als auch bei den Studenten beliebt war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Normalisierung stagnierte die Kaffeekultur eher – es mangelte sowohl an Qualität als auch an Rohstoffen. In intellektuellen Kreisen blieb die Tradition, sich zum Kaffee zu treffen, jedoch erhalten.

Nach 1989: Die Renaissance der Brünner Kaffeeszene

Nach dem Jahr 2000 begann sich in Brünn durchzusetzen Die dritte Welle der Kaffeekultur (Spezialitätenkaffee). Heute wird die mährische Hauptstadt mit einer Reihe von Betrieben in Verbindung gebracht, die sich auf Spezialitätenkaffee spezialisiert haben.

Die Brünner Cafés heute

Mit der aktuellen Brünner Szene der dritten Welle werden unter anderem folgende Lokale in Verbindung gebracht:

Die Kaffeeszene ist auch außerhalb der einzelnen Lokale sehr lebendig – beispielsweise dank Veranstaltungen wie Brno Coffee Week oder regelmäßigen Cupping-Veranstaltungen und Barista-Wettbewerben. Das Angebot der Betriebe sowie die Veranstaltungstermine ändern sich im Laufe der Zeit; daher empfehlen wir Ihnen, sich vor Ihrem Besuch über den aktuellen Betriebsstatus, die Öffnungszeiten und das Programm zu informieren.

Häufig gestellte Fragen

Frage: Seit wann wird in Brünn Kaffee getrunken?

Etwa seit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Laut der Enzyklopädie zur Geschichte Brünns wurde das erste ständige Café der Stadt im Jahr 1702 gegründet (die Café-Konzession erhielt der Türke Achmet vom Stadtrat), also vor mehr als drei Jahrhunderten – im Zuge der Entwicklung der Kaffeekultur in Wien und des Handels mit der Levante. Kaffee wird heute als Teil der Brünner Kultur und der städtischen Identität wahrgenommen.

Frage: Inwiefern unterscheiden sich die Kaffeeszenen in Brünn und Prag?

Die Prager Szene ist groß und wettbewerbsintensiv und richtet sich häufig an internationale Touristen. Die Brünner Kaffeeszene wird hingegen eher als gemeinschaftsorientierter, volksnaher und experimenteller wahrgenommen.

Frage: Kann ich guten Kaffee aus Brünn online kaufen?

Ja. Zahlreiche Röstereien in Brünn bieten den Online-Verkauf von hochwertigem Kaffeebohnen an.

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